Lesung mit Birgit Kahle

Bistro
Datum: 6. Oktober 2021 18:00

Heiligabend 1944: In der Nacht flieht die sechsjährige Gerlinde mit ihrer Mutter Elisabeth und ihren beiden Brüdern heimlich, ohne Wissen der anderen Dorfbewohner, über die vereiste Oder aus dem idyllischen Matschdorf, einem winzigen vorpommerschen Dorf an der Eilang. Vier Monate lang, bis zur Kapitulation, flüchten sie mit einem Treck durch den Osten des zusammenbrechenden Nazi-Deutschlands vor der heranrückenden Roten Armee. Als der Krieg zu Ende ist, versuchen sie zurückzukehren und hoffen auf Frieden, ein Wiedersehen mit den Lieben und einen Neuanfang. Doch das jetzt polnische Matschdorf werden sie nicht mehr erreichen. Denn schon die Rückkehr in den Oderbruch wird zu einer Reise in Hunger, Verlust und Gewalt. »Schau nicht hin, schau nur geradeaus« erzählt aus der Perspektive des kleinen Mädchens, wie Kriegserfahrungen zu traumatisierenden ›Ur-Erfahrungen‹ werden. Die ›Kriegskinder‹ von damals sind die Eltern der heutigen ›Kriegsenkel‹. Ein deutsches Schicksal? Auch. Vor allem aber eines, das alle Menschen auf der Welt teilen, die frühe Kriegs-, Gewalt- und Fluchterfahrungen machen mussten. Wie individuelles Erleben der einen Generation die Realität der nächsten prägt, zeigt diese anrührende, gleichermaßen persönliche wie gesellschaftlich hochaktuelle Erzählung

 

Die Autorin Birgit Kahle ist seit den frühen 1990er Jahren als Journalistin, Autorin und Kommunikationsberaterin tätig. Zahlreiche Publikationen in Print und Hörfunk beschreiben das gute Leben ebenso wie das politisch brisante. Von der reinen ›Sachebene‹ hat sie sich erst einmal entfernt: »Schau nicht hin. Schau nur geradeaus« ist ihr zweites belletristisches Buch. Birgit Kahle lebt und arbeitet in Bielefeld und Berlin. »›Ich fühle, was du fühlst‹, scheint Birgit Kahle mit diesem Buch zu sagen [...] und beginnt zu verstehen, wie die Mutter die geworden ist, die sie ist. Nun ist der Blick frei für die Frage nach der eigenen Identität. Denn [die] schlummert nicht einfach in uns, sondern ist das Ergebnis von Resonanzen, von Schwingungen, die von Generation zu Generation übertragen werden.« (Ingrid Meyer-Legrand im Vorwort

Der Publizist Dr. Harald Wieser über dieses Buch:
"Aus der Erlebnissicht eines deutschen Kindes erzählt die Menschenfreundin Birgit Kahle, was einer Familie 1945 auf der Flucht geschah und wie sich ein Heimatverlust bleibend ins weitere Leben prägt. Darf man das? Dürfen wir einem Schicksal des deutschen Tätervolkes unser mitfühlendes Herz öffnen? Wir müssen und werden, wenn es sich öffnet wie in diesem Buc– mit den Augen eines unschuldigen sechsjährigen Mädchens. Wer es lesend empfindet, ist nicht nur in der Vergangenheit unterwegs, sondern ahnt, was es heißt, auf der erzwungenen Flucht vor der Liebe zu sein: ungezählte Male heute.«
 
 
Zitat aus dem Buch:
"Vati ist fürs Vatiland gefallen«, hat Ari mal halb scherzhaft gesagt – und sich dafür von Mutti ein paar ordentliche Schellen eingefangen. Das verstehe wer will, denn er hatte schließlich recht. Auch wenn das natürlich nicht richtig witzig ist. Erwachsene sind komisch: Wenn jemand mal gradheraus die Wahrheit sagt, dann setzt es saftige Ohrfeigen."
 
Wir haben z.Z. die 3 G Regel  (geimpft, genesen oder getestet)
 
Eintritt 4 €
 

 

 

Alle Daten


  • 6. Oktober 2021 18:00
 

Powered by iCagenda