Ensemble Gutekunst spielt

Galerie Essig
Datum: 14. Oktober 2017 20:00

Mendelssohn hat die drei Quartette op. 44 in der Reihenfolge 2, 3 und 1 in den Jahren 1837 und 1838 komponiert. Die Nr. 1 hat er in der ersten Fassung im April 1838 in Leipzig begonnen und am 24. Juli 1838 in Berlin abgeschlossen. Alle drei Werke hat er vor der Drucklegung – sie erschienen 1839 mit einer Widmung an den schwedischen Kronprinzen bei Breitkopf und Härtel in Leipzig – überarbeitet. In Leipzig fand am 16. Februar 1839 auch die Uraufführung des op. 44/1 statt. Mendelssohns Freund, der Gewandhauskonzertmeister Ferdinand David, spielte es mit drei anderen Mitgliedern des Gewandhausorchesters. Das D-Dur-Quartett ist wohl das eleganteste, brillanteste und virtuoseste, aber auch das ausgeglichen regelmäßigste der drei Quartette op.44. Schwungvoll eröffnet die 1. Violine den Kopfsatz mit dem ersten Thema; sie führt auch sonst häufig und vermittelt mit virtuosen Übergängen zwischen den Hauptteilen des Satzes. Dies gibt dem Satz, ja dem ganzen Werk den Charakter eines Quatuor brillant; man hat es sogar ein verkapptes Violinkonzert genannt. Kein Zweifel, dass Mendelssohn dabei an seinen Freund David gedacht hat. Das Menuett wirkt scheinbar altertümlich. Im Trio brilliert wieder die 1. Violine. Das Menuett steht in enger Verbindung mit dem folgenden Andante, was wohl auch dessen Charakter mitbestimmt hat. Es bietet – auch wieder nur scheinbar – ein typisches Lied ohne Worte, vorgetragen wiederum von der 1. Violine, doch wird die Gesangslinie speziell in der Reprise von Figuren und raschen Bewegungen überlagert, wie sie für Mendelssohns Scherzi typisch sind. Die beiden Sätze verbinden in sich somit in neuartiger Weise Elemente von Intermezzo, langsamem Satz und Scherzo. Das rasante Finale wirkt vor allem durch seinen Impetus und kehrt das Moment des virtuos Brillanten noch stärker hervor als der Kopfsatz.

Johannes Brahms komponierte das Klarinettenquintett in h-Moll op. 115 im Jahre 1891. Obwohl er nach dem 2. Streichquintett op. 111 seine Tätigkeit als Komponist für vollendet betrachtet hatte, schrieb er ein gutes Jahr später ein Klarinettentrio sowie dieses Klarinettenquintett, was daran lag, dass er kurz zuvor den Klarinettisten der Meininger Hofkapelle, Richard Mühlfeld, gehört hatte. Brahms widmete ihm das Quintett. Bei der privaten Uraufführung am 24. November 1891 spielte Mühlfeld selbst die Klarinettenstimme, wobei er vom Joachim-Quartett begleitet wurde. Am 12. Dezember 1891 fand die öffentliche Erstaufführung im Saal der Berliner Singakademie statt, bei welcher die gleiche Besetzung spielte.
Erster Satz
Der erste Satz ist ein Allegro. Das gesamte melodische Material des ersten Satzes entstammt dem „wellenförmigen“ Eingangsthema, welches von den beiden Violinen eingeführt wird. Bratsche und Cello spielen das eigentliche Hauptthema erst nach dem ersten Klarinettensolo. Die dramatischen Steigerungen des ersten Satzes werden von einem martialischen Gegenthema ausgelöst.
Zweiter Satz
Das Adagio erhält seinen eigenartigen Klang durch den Streicher-Klanggrund aus Duolen und Triolen. Über dieser „Klangbasis“ entfaltet sich eine meditative Klarinettenmelodie. Im gesamten zweiten Satz wird vor allem der Klang der Klarinette ervorgehoben.
Dritter Satz
Der dritte Satz besitzt die Vortragsbezeichnung Andantino – Presto non assai, ma con sentimento. Ausgehend von dem einführenden Intermezzo entwickelt sich rasch ein flinker Mittelteil, der auf einer jagenden Motivfigur basiert, welche von den beiden Violinen gespielt wird.
Vierter Satz
Der vierte Satz ist mit Con moto überschrieben und lotet als erstes das dunkle und unruhige Thema mit fünf Variationen aus. Am Schluß des Satzes kehrt das Anfangsthema des ersten Satzes wieder.

Zu den Ausführenden:
Friederike Borngräber, geboren in Potsdam, spielt seit dem 12. Lebensjahr Klarinette. Zum Medizinstudium nach Lübeck gezogen, wurde sie Mitglied verschiedener musikalischer Ensemble wie dem Lübecker Kammerorchester, dem Uniorchester Lübeck und den Popsymphonics. Zusätzlich ist sie seit vielen Jahren deutschlandweit mit ihrer Klezmergruppe "Novum Pendulum" aktiv. Sie arbeitet als Neurologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin des Berliner Instituts für Musikermedizin an der Charité.

Christian Gutekunst, geb. Heber, geboren in Kiel und aufgewachsen in Lübeck, erhielt Unterricht von Prof. Uwe-Martin Haiberg (Universität der Künste Berlin). Er war Mitglied des hiesigen Landes- und des Bundesjugendorchesters. Als Solist führte er Violinkonzerte von Bach, Vivaldi, Mozart, Bruch und Chatschaturjan öffentlich mit Orchester auf. Er ist Konzertmeister des Kieler Kammerorchesters. Hauptberuflich arbeitet Arzt an der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie des Uniklinikum, Campus Kiel.
Boris Zikorsky wurde ebenfalls als Schüler mehrere Jahre von Prof. Uwe-Martin Haiberg unterrichtet, spielt gleichermaßen auch Viola und war ebenfalls Mitglied im Landes- und im Bundesjugendorchester. Er lebt in Lübeck und ist hauptberuflich Facharzt für Innere Medizin an den Schön-Kliniken Neustadt.
Angelika Zastrow-Kelm erhielt ihre Ausbildung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt bei Prof. Ida Bieler und Prof. Hubert Buchberger. Sie konzertierte mit dem von ihr gegründeten Admont-Quartett, war Mitglied der Sinfonietta Frankfurt und trat als Solistin mit dem Wormser Kammerorchester auf. Als Lehrerin für Violine, Viola und Kammermusik arbeitete sie zunächst an der Jugendmusikschule Worms, danach 14 Jahre auf der Insel Föhr, wo sie ein Jugendorchester aufbaute. Mit ihrem Mann Dirk Kelm am Klavier oder mit der Konzertorganistin Birgit Wildeman trat und tritt sie immer noch regelmäßig im Rahmen der Nieblumer Sommerkonzertreihe auf. Beim Föhrer Literatursommer umrahmte sie Lesungen des Schauspielers Curt Timm. Nun lebt und unterrichtet sie in Bad Schwartau, spielt in verschiedenen Kammermusikensembles und ist Konzertmeisterin des Lübecker Kammerorchesters.
Meike Hansen bekam im Alter von neun Jahren den ersten Cellounterricht. Sie spielte als Jugendliche schon viel Kammermusik und war auch Mitglied im Landesjugendorchester. Nach dem Abitur studierte sie Instrumentalpädagogik an der Hochschule für Darstellende Kunst und Musik in Frankfurt am Main bei Susanne Müller-Hornbach. Meisterkurse bei Gerhard Mantel, Heidi Litschauer und Anner Bylsma folgten. Seitdem ist sie Cellolehrerin in Kiel. Sie ist Mitglied im Klassikensemble Kiel. Das Spielen in unterschiedlichen Kammermusikbesetzungen ist ihr sehr wichtig.
Das Streichquartett ist aus der Camerata Kiel hervorgegangen, spielt seit 2015 zusammen, die Position an der Viola, die normalerweise Astrid Klingen innehat, jedoch familienbedingt gerade nicht wahrnehmen kann, wird erfreulicherweise von Angelika Z.-K. übernommen. Das Quartett nahm in diesem Jahr an einem Quartettkurs des Amaryllis-Quartetts teil.

 

 

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  • 14. Oktober 2017 20:00
 

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